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Schulgeschichte

Die Geschichte der Schule umfasst einen Zeitraum von gut 75 Jahren und ist damit relativ kurz. Viele Schulen - auch in Düsseldorf - können auf eine wesentlich längere und ehrwürdigere Vergangenheit zurückblicken.  Aber dennoch: die Geschichte unserer Schule ist durchaus respektabel. Ihre Entwicklung war rasant und ließ binnen weniger Jahrzehnte eine kleine Zubringerschule in der damals noch selbständigen Stadt Kaiserswerth (mit einer Klasse und zwei Unterrichtsräumen)  zu einem bedeutenden Gymnasium in Düsseldorf mit großer Anziehungskraft auf das Umland werden. Dazu hat sich die Entwicklung unserer Schule auf dem Hintergrund einer sehr  ereignisreichen Zeit abgespielt:

  • gegründet 1923 in der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik, - im Jahr des Ruhrkampfes, der Hyperinflation mit anschließender Währungsreform, des Hitlerputsches in München und kommunistischer und separatistischer Aufstände,
  • zwangsweise von den Nationalsozialisten geschlossen im Jahr 1939 - wenige Wochen vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges,
  • wieder begründet in der unmittelbaren Nachkriegszeit im Jahr 1945 mit Genehmigung der britischen Besatzungsmacht,
  • vergrößert und zum vollwertigen Gymnasium ausgebaut in den 50er und 60er Jahren,
  • zu einem der großen Gymnasien in Düsseldorf entwickelt in den 80er und 90er Jahren - mit heute ca. 1150 Schüler/innen und ca. 75 Lehrer/innen.
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Anfänge der Schule

Kaiserswerther Bürger um eine weiterführende Mädchenschule in ihrem Ort, damit den Schülerinnen der weite Weg bis in die Nachbarstadt Düsseldorf erspart bliebe.
Mit tatkräftiger Unterstützung durch den Kaiserswerther Pastor Zitzen gelang es, die Genehmigung zur Errichtung einer höheren Mädchenschule zu erhalten. Im Sommer 1923 konnten 20 Schülerinnen und 5 Schüler in ihre "neue Schule" einziehen. Diese Schule bestand aus zwei angemieteten Räumen in der Gärtnerinnen-Schule an der Ausfallstraße von Kaiserswerth nach Düsseldorf, die damals noch den Namen "Düsseldorferstraße" trug und heute "An St. Swidbert" heißt.

Die Gärtnerinnenschule hatte sich erst 1913 an diesem Ort etabliert, nachdem durch regen Zulauf das bisherige Gebäude unweit dieser Stelle zu klein geworden war. Die Träger dieser Schule hatten das damals ungenutzt verfallende ehemalige Kapuzinerkloster, mittlerweile das "Rheinhaus" genannt, erworben und für ihre Bedürfnisse mit Gartenanlagen für Obst- und Gemüseanbau, Hühnerhaltung, Koch-, Labor- und Lehrräumen ausgestattet.

 

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Die Leitung der neuen Kaiserswerther Schule lag für knapp 3 Jahre in den Händen von Frau Kellermann, einer jungen Lehrerin aus den Nachbarstadt Ratingen. Über diese Zeit berichtet die ehemalige Schülerin Maria Reibel:

"Nach Ostern 1924 begann also das neue Leben in der höheren Schule. Wir saßen alle in einem Klassenzimmer, die sechs Jungen - später waren es acht - in den vorderen Bänken. Die Kinder, die im Jahr vorher schon gekommen waren, saßen auf der linken Seite, das war nun dieQuinta, die neuen rechts, das war die Sexta. Im ganzen waren wir 26 Schüler. Geschichte, Erdkunde und Naturkunde hatten wir gemeinsam. Fräulein Kellermann gab uns mit Pastor Koch, für die älteren Kaiserswerther noch eine bekannte Persönlichkeit, getrennten Unterricht in Deutsch und Französisch. Während die Großen mündlich arbeiteten, mussten die Kleinen etwas Schriftliches machen. Ich hörte so mit, was die andere Seite lernte, und manchmal konnte ich so von nebenan eine Antwort geben. Zu meiner Freude erlaubte mir Fräulein Kellermann, nach den Sommerferien in der Quinta zu sitzen, ich musste nur einige Lektionen in Französisch nachlernen. Ich muss gestehen, ich fand die neue Schule wunderschön! Wir hatten z.B. Zeichnen. In der Volksschule hatten wir nur gelernt, richtig zu rechnen und zu schreiben, nun lernte ich auch zeichnen, die Dinge um uns zu sehen, mit Wasserfarben zu malen, den Begriff der Perspektive. Fräulein Kellermann ging mit uns in den Garten, und dort suchten wir uns ein Objekt.
Übrigens war im alten Kloster noch eine Gärtnerinnen-Schule untergebracht. Der große Garten - wo heute die Schule und die Turnhalle stehen- war mustergültig in Beete aufgeteilt. In der Pause schauten wir Kinder zu, wenn die Gärtnerinnen pflanzten und pickierten. Unser Schulhof war der lange, breite Weg vom Tor bis zur Ecke des Klosters. Außerdem hatten wir noch einen Platz zum Völkerball-Spiel. Eine Turnhalle hatten wir nicht, wir hatten auch keine Sportkleidung, nur Turnschuhe. Mit den Jungen haben wir uns gut vertragen, beim Völkerball spielten wir aber immer gegeneinander."

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Im Winter durften wir, wenn Schnee lag, unsere Schlitten mitbringen, dann war unsere Turnstunde in der "Abels Kuhl", das ist das Wiesengelände, das zum Kittelbach abfällt. Im Sommer hatten wir einmal in der Woche einen Nachmittag "Spielturnen". Wir gingen oder fuhren mit den Fahrrädern zum Sportplatz, der lag am Rhein hinter der Rheinfähre. Wir übten 75 m Lauf, Weitsprung und Speerwerfen, auch Schlagball und Kugelstoßen, aber es war kein richtiges Training. Fräulein Kellermann, etwa 35 Jahre alt, war sportlich selbst ganz unbegabt und machte auch keine Übungen vor. Sie war sehr lieb zu uns und lachte mit uns, wenn wir lustig waren. Die Hauptsache war, wir tummelten uns in der frischen Luft. Aber wir waren alle eifrig dabei.
Ostern 1925 bekamen wir zwei neue Lehrerinnen, Fräulein Kels und Fräulein Ernsing, das waren zwei grundverschiedene Typen. Fräulein Kels war etwa 30 Jahre alt, hübsch, sehr vornehm gekleidet, ernst und streng. Sie übernahm den Unterricht von Pastor Koch, der wegen Krankheit aufgeben musste. Wir hatten Respekt vor ihr, aber wir bewunderten sie. Fräulein Ernsing war das Gegenteil von ihr. Sie war immer lustig, etwas schlampig gekleidet mit Sandalen, Söckchen, Trägerrock mit schlecht gebügelter Bluse, das Haar wie damals in der Wandervogel-Bewegung in geflochtenen Zöpfen um den Kopf gelegt, und brachte immer ihre Laute mit zur Schule. Bei ihr hatten wir Musik und Volkstanz. Wir saßen im Sommer im Garten, sangen zur Laute Volks- und Wanderlieder und lernten danach Reigen und Tänze für einen Elternabend unter dem Motto: "Eine Wanderung durch deutsche Gaue in Gedichten, Liedern und Tänzen". Im Winter übten wir ein Theaterstück für eine Weihnachtsfeier. So viel Schönes und Neues brachte mir die Schule, dass ich den Wunsch hatte, ein Instrument zu spielen. Ich lernte, die Geige zu spielen. So ging das Schuljahr 1925/26 dahin. Wir saßen nun in zwei Klassenzimmern zur Straße hin. Es war sehr laut dort, der ganze Verkehr nach Düsseldorf ging durch das Städtchen, der Klemensplatz war noch ein Platz, die Niederrheinstraße und die Straßenbahn gab es noch nicht, die wurden erst 1927 gebaut.
Ganz plötzlich wurde uns Ostern 1926 mitgeteilt, dass die beiden Lehrerinnen, Fräulein Kels und Ernsing, wieder fortgingen und daß Schwestern aus dem Kloster Marienberg in Neuss zu uns kämen. Wir haben am letzten Schultag vor Ostern alle geweint, weil die Lehrerinnen weggingen, wir hatten sie liebgewonnen. Auch das Abschiednehmen von den Jungen fiel uns nicht leicht, der Umgang mit ihnen war so geschwisterlich. Wenn sie uns auch manchmal die Luft aus den Fahrradreifen ließen, so haben wir uns anderswie gerächt, aber gezankt haben wir uns nie.

1926 übernahmen die "Schwestern vom armen Kinde Jesus" die Leitung der Schule. Sie führten bereits in Düsseldorf-Derendorf die Anna Schule, ein Mädchen-Gymnasium, das den Schülerinnen eine Schullaufbahn bis zur Reifeprüfung ermöglichte. Etliche Schülerinnen der Kaiserswerther Schule brachten ihre "Schulkarriere" an dieser Schule zum Abschluss, da die Suitbertus-Schule vor dem Krieg - und auch noch nach dem Krieg bis 1960 - nur den Abschluss mit der Klasse 10 ermöglichte. Mit den Schwestern nahm eine gewisse Strenge und Disziplin in die Schule Einzug, die zunächst Befürchtungen der Schülerinnen erweckten, später aber auch Respekt und Anerkennung hervorriefen.

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