Allgemeine Informationen

Das SCHULGESPRÄCH

Gesprächsforum für Eltern, Lehrer und Schüler

Schule darf nicht als eine vormittäglich zu nutzende Bildungseinrichtung verstanden werden. Schulleben erweist sich dann als ergiebig, wenn über den Unterricht hinaus Begegnungs- und Dialogmöglichkeiten auf Eltern-, Lehrer- und Schülerebene gegeben sind, das gilt besonders für eine kirchliche Schule mit der Verkündigung ihrer christlichen Werteorientierung. Aus dieser Vorstellung heraus wurde 1999 das Forum „SCHULGESPRÄCH“ ins Leben gerufen.
Aktuelle Fragen zu Kirche, Gesellschaft und Erziehung gehören genauso zum Themenspektrum des „SCHULGESPRÄCHS“ wie ethische Fragestellungen und Inhalte, die die christliche Identität und das christliche Proprium betreffen.
Dabei wird besonderes Gewicht auf kompetente Information, Adressatenbezug und Variabilität der Themenfolge gelegt. Garant für die Effizienz und den Erfolg der „SCHULGESPRÄCHE“ sind die Referenten. Theologen, Religions-, Gesellschafts-, Erziehungswissenschaftler, Experten aus Medizin und Wirtschaft, deren Forschungsschwerpunkte und Publikationen für die Schulgemeinde von Interesse sind, präsentieren in anschaulichen und nachvollziehbaren Grundsatzreferaten ihre Positionen.
Anschließend besteht die Möglichkeit zur direkten Auseinandersetzung bzw. Stellungnahme. Die Diskussionen sind stets geprägt von hohem Engagement und sachlicher Kontroverse.

Die Koordination und Moderation der "SCHULGESPRÄCHE" obliegen Herrn Kainzmaier

Chronik
Prof. Dr. M. Miegel Das Problem mit dem Wachstum
Willi Fährmann Schreiben fürs Leben

Prof. Dr. Dr. Hattrup Wie Darwin 2009 zum
Kirchenvater wurde
Dr. Bernard Bueb Charakterbildung in unmoralischer Zeit
Prof. Dr. R. Dollase
(Bielefeld)
Alles erzieht den Menschen - und keiner ist ohne Einfluss
Prälat H.A. Schüller
(Düsseldorf)
ZU-MUT-UNGEN. Schule und Glaube. "Ich blicke zurück..."
Prof. Dr. M. Korte
(Braunschweig)
Wie lernt der Mensch? Anmerkungen aus der Sicht der Hirnforschung
Prof. Dr. Dr. Hattrup
(Paderborn)
Der Traum von der Weltformel oder Warum das Universum schweigt
Prof. Dr. F. Hengsbach
(Frankfurt a.M.)
Globalisierung - Tatsache, wirtschaftliches Druckmittel, politisches Alibi
Prof. Dr. Th. Bremer
(Münster)
Die ökumenischen Beziehungen zwischen katholischer Kirche und Orthodoxie
Friedrich Dieckmann
"Diesen Kuss der ganzen Welt!" - Der junge Mann Schiller
Dr. Annette Schavan
(Stuttgart)
Schule der Zukunft
Prof. Dr. R. Winkel
(Berlin)
Bildung und Schule - Pädagogik zwischen Traum und Wirklichkeit
Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann
(Köln)
Kunst und Kirche
Prof. Dr. V. Ladenthin
(Bonn)
Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Schule
Prof. Dr. Dr. H. P. Dürr
(München)
Mensch und Zukunft. Naturwissenschaft und Religion in der Verantwortung
Prof. Dr. R. Miggelbrink
(Essen)
Der zornige Gott
Prof. Dr. Dr. A. Rauscher
(Mönchengladbach)
Christliche Positionen zum Krieg und Frieden
Prof. Dr. Dr. H. Waldenfels
(Düsseldorf)
Die Suche nach einem Weg zu Gott
H. Wißkirchen
(München)
Die heimlichen Erzieher. Von der Macht der Gleichaltrigen und dem überschätzten Einfluss der Eltern
Prof. Dr. Dr. E. Biser
(München)
Durchbruch zum Gott der Liebe – Umriss einer neuen Theologie
Dr. R. Laufen
(Düsseldorf)
Aus dem Vater geboren vor aller Zeit – Mythos oder Kernaussage?
Pälat H. A. Schüller
(Düsseldorf)
Christen sind Nacht-Wächter – Entdeckung der mystischen Dimension
Prof. Dr. F. Mennekes (Köln) und
Dr. V. Dudeck (Zittau)
Das Zittauer Fastentuch – Geschichte und Botschaft
Dr. Th. Zech
(Brühl)
Hochbegabten- und Begabtenförderung – Fördermöglichkeiten im Gymnasium
Prof. Dr. F. J. Nocke
(Essen)
Was kommt nach dem Tod? Wie spricht die heutige Theologie über Auferstehung, Gericht, Himmel und Hölle?
Prof. Dr. W. Gantke
(Bonn)
Religiöse Zukunftsperspektiven im Vergleich
Dr. Th. Bohrmann
(München)
Gewalt in den Medien. Muss das sein? Anleitung zur Medienkompetenz
Prälat H. A. Schüller
(Düsseldorf)
Engel – Traumgestalten oder Wirklichkeit?
Prof. Dr. L. Beck
(Düsseldorf)
Bio-Ethik – ethische Probleme zum Lebensbeginn und Lebensende
Prof. Dr. W. Scheele
(Düsseldorf)
Wirtschaftsethik – gibt es das überhaupt?
Prälat H. A. Schüller
(Düsseldorf)
Die Krise der Kirche – Bewältigung von innen?
Prof. Dr. G. Spangler
(Gießen)
Prüfungsangst
Prof. Dr. J. Rosenau
(Duisburg)
Evangelische Position hinsichtlich der Gemeinsamen Erklärung der Rechtfertigungslehre
Prof. Dr. P. Neuner
(München)
Einführung in die Rechtfertigungslehre - Annäherung der Konfessionen
Prof. Dr. P. Inhoffen
(Graz)
Innerkirchliche Demokratisierung
3. November 2010
Prof. Meinhard Miegel: Das Problem mit dem Wachstum

Sinn des Lebens: "Born to shop?"
Der Initiator und Organisator des SCHULGESPRÄCHE, OStR Eugen Kainzmaier, stellte in seiner einführenden Begrüßung das Thema und den Referenten des Abends vor:
Daraus ein Auszug:"... Das Problem ist das Nicht-Wahrhabenwollen, dass es in der Endlichkeit keine Unendlichkeit geben kann und etwas volkstümlicher: Alles hat seinen Preis. Zu den Fakten, oder sollte man besser von den Leitplanken unseres wirtschaftlichen Ehrgeizes sprechen: Die Rohstoffreserven – in Millionen von Jahren entstanden – sind auf ein überschaubares Quantum zusammengeschmolzen. Zweihundert Jahre Industrialisierung haben diesen rasanten Minderungsvorgang grundgelegt. Was wir zurücklassen ist Müll, der Millionen von Jahren benötigt, um seine gefährliche Wirkung zu verlieren. Durch die Übernutzung der Natur- Ressourcen verliert unser System seine Stabilität, ein dauerhaftes Funktionieren kann nicht mehr gewährleistet werden; ein Wirtschaften, das auf exzessives Wachstum programmiert ist, steuert auf einen Kollaps zu, der nachfolgende Generationen in ihrer Lebensqualität nachhaltig einschränken wird...."
Prof. Miegel
Zum Vortrag von Dr. Miegel:
Gebannt verfolgten die zahlreich erschienenen Zuhörer den Ausführungen von Professor Miegel zum Zauberwort unserer Gesellschaft "Wachstum". Den großen gesellschaftlichen Konsens im blinden (?) Vertrauen auf Wachstum legte der Referent zu Beginn dar. "Wachstum ist der Schlüssel zum Ganzen."- so referiert er die erste Regierungserklärung der jetzigen Berliner Regierung und weiter die Erläuterungen der Bundeskanzlerin Merkel: "Ohne Wachstum - keine Arbeitsplätze, keine Investitionen, keine sozialen Sicherungssysteme, keine konsolidierten öffentlichen Haushalte und selbst die Demokratie gerät in Gefahr, wenn wir kein Wachstum haben." . Diesem Credo pflichten nahezu unisono nicht nur Politiker aller Couleur bei - es gibt in dieser Frage einen geradezu irritierenden Konsens zwischen Regierten und Regierenden. Im Juli dieses Jahres erklärten 90% der befragten Deutschen, Deutschland brauche Wachstum und 73% entschieden sich, dass Deutschland ohne Wachstum nicht überleben könne.

Dass das derzeitige Postulat nach permanentem Wachstum weder historisch begründet noch realisierbar und sinnvoll ist, zeigte Prof. Miegel in der nächsten Stunde seines breit angelegten Vortrages auf. So hat es in der Menschheitsgeschichte eigentlich erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert in Europa und dann in einem engeren Sinne erst in den letzten Jahrzehnten ein signifikantes Wirtschafts- und Produktivitätswachstum gegeben, das an ganz bestimmte, außergewöhnliche geistige, demografische und soziale Rahmenbedingungen geknüpft war. Ausgangspunkt war im 15.-17. Jahrhundert der Paradigmenwechsel der Säkularisation, der den bisherigen Daseinsgrund und das Ziel menschlichen Lebens: "Gott loben und preisen, um in den Himmel zu kommen"[Petrus Canisius] ersetzte durch die Überzeugung, dass dem Menschen das Glück und Gelingen des Diesseits angelegen sein müsse. Mit Innovationen und immer neuen Anstrengungen zur Mehrung des Materiellen sei dies zu realisieren. Seit dieser Zeit erschiene alles in einem anderen Licht – so wird z.B. aus profanem Geld zum Erwerb von Gütern nun zu vermehrendes Kapital, das Zinsen bringen muss. >>  mehr

10. Dezember 2009
Willi Fährmann: Schreiben fürs Leben

Es ist so eine Sache mit prominenten Schriftstellern.
Willi FährmannDie einen können virtuos schreiben, beherrschen also meisterhaft die Klaviatur des schriftlichen Ausdrucks, haben aber in der direkten Begegnung mit der Leserschaft ihre Schwierigkeiten; das Vorlesen ist ihnen eine Qual. Die anderen beherrschen weniger das schriftstellerische Handwerk, sie verstehen es aber, mit bombastischem Marketing ihre Werke in den Bestsellerlisten zu platzieren; ihre Lesungen haben Eventcharakter. Und dann gibt es noch Willi Fährmann. Er zählt zu den Großen des Literaturbetriebs, - zu Recht; wie auch die über dreihundert Schüler, Eltern und Lehrer am Donnerstag, dem 10. Dezember, im Rahmen des SCHULGESPRÄCHS feststellen durften. Die Anwesenden erlebten einen Schriftsteller, der in fast zwei Stunden eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass ein guter Autor auch im mündlichen Vortrag zu begeistern versteht. Mit seiner Persönlichkeit, seinem einnehmenden Wesen, seinem direkten Bezug zum Publikum und seiner an Variationen reichen, Anschaulichkeit gewährleistenden Lesestimme erzeugte er eine dichte, von großem Interesse geprägte Vortragsatmosphäre. >> mehr

17. September 2009
Prof. Dr. Dr. Hattrup: "Wie Darwin 2009 zum Kirchenvater wurde."

HattrupAm Donnerstagabend, dem 17. September, war der Mathematiker, Physiker und Theologe Prof. Dr. Dr. Dieter Hattrup von der Universität Paderborn Gast und Referent in unserer Schule:
Im Rahmen der SCHULGESPRÄCHE sprach er über Charles Darwin und seine Evolutionstheorie unter dem Vortrags-Titel "Wie Darwin 2009 Kirchenvater wurde.".
Hintergrund für das Thema war das Darwin-Jahr 2009. Zu Beginn der Veranstaltung um 20.00 Uhr begrüßte der Koordinator der SCHULGESPRÄCHE Eugen Kainzmaier die rund 60 erschienenen Besucher.
Prof. Hattrup gab einen anschaulichen Einblick in die Grundlagen der Darwinschen Evolutionstheorie und präsentierte wichtige Etappen aus dem Leben des Charles Darwin. Ab etwa 21 Uhr
Danach stand Prof. Hattrup dann den Fragen der Zuhörer Rede und Antwort.
Im Schlusswort dankte Schulleiterin Claudia Haupt dem Referenten für einen anregenden Vortrag. [Lukas Tump, Klasse 10a]

5. Februar 2009
Charakterbildung in einer unmoralischen Zeit
// Dr. Bernard Bueb

Mit dem gestrigen Abend haben die Schulgespräche einen Höhepunkt erreicht - wenn man denn die Zuhörerzahl als Gradmesser nimmt. Über 300 Gäste waren erschienen, um die Stimme eines Rufenden in der Bildungswüste zu hören. Und sie wurden offenbar nicht enttäuscht: lang anhaltender Applaus am Ende des Vortrags, ein reger Verkauf der signierten Bücher des Verfassers und viele Gesprächsgrüppchen noch lange nach Ende der Veranstaltung dürfen wohl dahingehend gedeutet werden, dass Dr. Bueb sehr Anregendes und Erhellendes zum Thema Bildung vorgetragen hatte. Deshalb an dieser Stelle auch einmal einen ganz herzlichen Dank an den Organisator der SCHULGESPRÄCHE und des Vortrags, Herrn Kainzmaier, dessen Bemühungen und nachhaltiges Insistieren den prominenten Redner vom Bodensee in unsere Schule führten.
Was ist denn nun der richtige Weg aus unserer Bildungsmisere?
Unter anderem nannte Dr. Bueb folgende Inhalte:

  • die Ganztagsschule, die die Gemeinschaftsfähigkeit der Schüler entwickeln hilft, in der die Lehrer am Nachmittag den Schüler nicht in einer Unterrichtssituation sondern bei Spiel, Sport oder kreativem Gestalten ganz anders erleben und erfahren dürfen;
  • eine Schule, die sich nicht einseitig als akademische Belehrungsanstalt versteht, sondern als Bildungseinrichtung, die auch die charakterliche Bildung des jungen Menschen im Auge hat;
  • eine leistungsorientierte, führungsbewusste und führungsstarke, gut bezahlte Schulleitung (nicht -verwaltung), die sich auch der Bewertung durch das Kollegium stellen muss;
  • Lehrer, die Schüler nicht mit Wissen auffüllen, die "Schüler" und nicht "Fächer" unterrichten, die die Ichstärke und das Selbstwertgefühl ihrer Schüler fördern
  • Schüler, die als Menschen ganzheitlich wahrgenommen werden müssen, denen in einer egozentrisch-materialistischen, konsum-, geld- und medienbeherrschten Zeit ["Ich!" "Alles!" "Sofort!"] Disziplin [gepaart mit Hinwendung und Liebe] und Sekundärtugenden als Instrumente zur Persönlichkeitsentwicklung und Selbstfindung zugemutet werden müssen

Prof. Dr. R. Dollase: "Alles erzieht den Menschen - und keiner ist ohne Einfluss"
"Alles erzieht den Menschen - und keiner ist ohne Einfluss"
// Prof. Dr. R. Dollase

Das hatten die sehr zahlreich erschienenen Zuhörer mit Sicherheit nicht erwartet: dass ein so ernstes und konfliktreiches Thema wie Erziehung so viel Lachen und Heiterkeit hervorrufen kann, wie es an diesem Abend vielfach geschehen ist. Selten war bei einem Schulgespräch die Stimmung im Auditorium lockerer als bei diesem schwierigen Thema.
Geschuldet ist dies dem launigen Referenten, Prof. Dollase, der einerseits als emeritierter Erziehungswissenschaftler und Psychologe die Früchte jahrzehntelanger vor allem empirischer Forschung im Bereich (schulischer) Erziehung eingefahren hat und sich so große Kompetenz in diesem Bereich aneignen konnte, der andererseits aber auch mit Demut, Bescheidenheit und Selbstironie die Grenzen der Wissenschaft und aller Erziehungskonzepte herausstellte. Dass er dabei ausführlich und gerne sich selbst und seine weitläufige Familie darstellte mit recht wundersamen Biografien, gespickt mit  Beispielen von Versagen, Teilniederlagen oder Karriereabbrüchen, die aber über unvorhersehbare Windungen und Wendungen des Lebens, Selbstreflexion und Weiterentwicklung der Persönlichkeit letztlich doch glückliche, zufriedene und erfolgreiche Existenzen und Familien erzeugten, führte im gespannt lauschenden Auditorium nicht nur zu zahlreichen  Heiterkeitsausbrüchen, sondern diese Art des Vortrags setzte auch ein Grundprinzip seiner Erkenntnis über Erziehung um: 1. Es geht um Vertrauen: Erzieher müssen Kompetenz und Glaubwürdigkeit vermitteln; das Kind muss vertrauen können, dass der Erzieher weiß, wovon er spricht und dass er in der Lage ist, ihn die Realität der Welt erkennen zu lassen; 2. Erziehung ist die Kombination aus Führung und Zuwendung: Regeln vereinbaren und kontrollieren: ja - aber verknüpft mit Herzlichkeit und Hinwendung, die Vertrauen beim Kind schafft. Keine moralinsaure Regeldurchsetzung um jeden Preis und einseitige Akzentuierung von Disziplin, sondern autoritative, kompetenz- und vertrauenbasierte Begleitung des Jugendlichen. So ist für Dollase gerade die als besonders schwierig konnotierte Pubertät eine Entwicklungsphase mit einem ungeheuer großen positiven Potential, das bei richtiger Wahrnehmung der Jugendlichen und entsprechender Hinwendung zur produktivsten Zeit in der Schule werden könnte.

Direkt zu Beginn hatte der Referent zur Entlastung aller sich redlich, aber erfolglos (?) an der Erziehungsfront Bemühenden festgestellt: Entgegen vielen Suggestionen in Fernsehsendungen und auf einem reich sortierten Büchermarkt gibt es nicht das eine Erfolg garantierende Erziehungsrezept, ist Erziehung ein komplexer Vorgang, dessen Ergebnis nicht programmierbar ist, weil es multifaktoriell bedingt ist und weil es eine Vielzahl von Miterziehern gibt, deren Einwirken nicht zu verhindern ist. So rechnete er zunächst mit vielen (monokausalen) Mythen zur Erziehung ab, die vorgeben, die Stellschraube für Erfolg und Misslingen von Erziehung gefunden zu haben - und deren Handhabung entsprechend vermarkten.
Ein weiterer anregender Gedanke: Krisen, Brüche, Niederlagen, Versagen sind menschlich, sind wichtiger, unverzichtbarer und zu ertragender Teil menschlicher Existenz; der Mensch bedarf ihrer, um zu wachsen, sich weiterzuentwickeln und wirkliche persönliche Siege zu erleben. Der Referent verwies darauf, dass ein religiös geprägter Mensch dazu viel Ermutigendes in den Texten und Überzeugungen seines Glaubens finden kann.
Dieser Gedanke sollte gerade für uns als christliche Schule Bestätigung, Ansporn und Herausforderung sein.

Prof. Dr. M. Korte: Wie lernt der Mensch?
Wie lernt der Mensch?
// Prof. Dr. M. Korte

Tagtäglich werden unserem Gehirn Höchstleistungen abverlangt: Wir eignen uns Wissen an, nehmen Fakten auf, speichern Alltagsdetails, stellen Verknüpfungen her und erwarten selbstverständlich, dass unser Gedächtnis und unser Denkvermögen uns in entscheidenden Situationen nicht im Stich lassen. Schule als klassischer Lern-Ort kommt ohne das Wissen vom Lerrnen nicht aus. Die Hirnforschung hat zweifelsohne die Bildungsdiskussion bereichert und vor allem Wege aufgezeigt, wie Lernen gelingen kann. So widmete sich unser zweites SCHULGESPRÄCH in diesem Jahr dem schul- und lebenspraktischen Thema: „Wie lernt der Mensch?“ Professor Dr. Korte verstand es, das interessierte Publikum in seinen Bann zu ziehen: Sachkompetenz, gepaart mit gesundem Menschenverstand und viel Esprit, Anschaulichkeit durch überzeugende Versuche an und mit der Zuhörerschaft gestalteten seinen Vortrag informativ, kurzweilig und mt nachhaltigem Behaltenseffekt, sodass sich an den Vortrag ein lebhaftes Gespräch anschloss, in dem noch einmal Grenzen, vor allem aber Nutzen der Hirnforschung auch für das schulische Lernen deutlich wurden. Hilfreich wäre dabei, wenn auch die Erziehungswissenschaft sich solch grundlegender Erkenntnisse bedienen würde.

 

Prof. Dr. Dr. Hattrup: Der Traum von der Weltformel oder Warum das Universum schweigt
Der Traum von der Weltformel oder Warum das Universum schweigt
// Prof. Dr. Dr. Hattrup

Die Wissensvermittlung zählt zu den Kernaufgaben der Schule. Viele Schüler sind fasziniert von der Masse des scheinbar nie zu versiegenden Stromes von beeindruckenden Forschungserkenntnissen. Die Naturwissenschaftler schaffen es – so die landläufige Meinung – , die Welt bis in ihre kleinsten Bestandteile analytisch zu zerlegen und ihr die letzten Geheimnisse abzuringen. Das Mess- und Berechenbare, das empirisch Fassbare sowie die der Mathematik und Physik eigene Präzision erwecken den Eindruck unerschütterlicher Objektivität und nähren die Hoffnung auf wissenschaftlich begründete Allmacht. An diesem Punkt setzte der Vortrag von Prof. Dr. Hattrup im Rahmen des ersten SCHULGESPRÄCHS in diesem Schuljahr ein. Thema seiner Ausführungen war „Der Traum von der Weltformel oder Warum das Universum schweigt“. Der Paderborner Mathematiker, Physiker und Theologe machte auf beeindruckende Weise deutlich, dass die Suche nach der Theorie von Allem, die sowohl das Allergrößte des Universums als auch das Allerkleinste der Natur formelhaft fixiert, von vornherein zum Scheitern verurteilt sein muss. Detailliert und mit anschaulicher Prägnanz skizzierte er die entscheidenden Phasen der Wissenschafts- und Philosophiegeschichte, charakterisierte allgegenwärtige, mittlerweile kanonisierte Denkmuster (Descartes, Laplace, Kant etc.), zeigte elementare Widersprüche und Irrwege in bekannten kosmologischen Konzepten auf. Ein besonderes Augenmerk richtete er auf die Forschungen und Ambitionen Einsteins in Konkurrenz zu Heisenbergs quantenphysikalischem Ansatz. Anhand der zwei großen, sich allerdings gegenseitig ausschließenden Gedankengebäude der Quantentheorie und Gravitationstheorie wurde der Nachweis geführt, dass die Geschichte der Weltformel alles andere als eine Erfolgsgeschichte war. Etliche intellektuelle Expeditionen endeten im Nirgendwo, nichtsdestotrotz das Streben gehe weiter. Dahinter stecke aber weniger physikalisches Interesse als vielmehr der Wunsch, die undurchsichtige und manchmal Angst machende Komplexität unserer Mitwelt auf das Einfache und Überschaubare zu reduzieren. Mit Wissensgrenzen komme der Mensch nun mal nicht zurecht. Gleichsam als Leitmotive wollte Professor Hattrup drei für seine Forschung und seine persönliche Weltsicht zentralen Thesen verstanden wissen:

  1. Natur ist diejenige Wirklichkeit, die ich ergreifen kann; Gott diejenige Wirklichkeit, die mich ergreift
  2. Wahrheit ist die Fähigkeit, mich und den anderen am Leben zu erhalten; Interesse ist die Schrumpfform der Wahrheit, in der ich nur mich am Leben erhalten will
  3. Die Freiheit Gottes und des Menschen ist direkt nicht anschaubar; sie zeigt sich in der Welt im Schattenspiel von Zufall und Notwendigkeit

In der dem Vortrag folgenden Diskussion wurden noch zentrale Aspekte der Weltformel-Problematik beleuchtet. Zahlreiche Oberstufenschüler beteiligten sich mit sachkundigen Fragen und Kommentaren, die großes Interesse an der erörterten Materie erkennen ließen.
Der Referent schaffte es, die zahlreiche Zuhörerschaft mit Kompetenz, Anschaulichkeit, Kurzweil und sympathischen persönlichen Bekenntnissen zu fesseln. Eine ausgesprochen lohnenswerte Schulveranstaltung!