Willi Fährmann begeistert beim SCHULGESPRÄCH

Es ist so eine Sache mit prominenten Schriftstellern. Die einen können virtuos schreiben, beherrschen also meisterhaft die Klaviatur des schriftlichen Ausdrucks, haben aber in der direkten Begegnung mit der Leserschaft ihre Schwierigkeiten; das Vorlesen ist ihnen eine Qual. Die anderen beherrschen weniger das schriftstellerische Handwerk, sie verstehen es aber, mit bombastischem Marketing ihre Werke in den Bestsellerlisten zu platzieren; ihre Lesungen haben Eventcharakter. Und dann gibt es noch Willi Fährmann. Er zählt zu den Großen des Literaturbetriebs, - zu Recht;  wie auch die über dreihundert Schüler, Eltern und Lehrer am Donnerstag, dem 10. Dezember, im Rahmen des SCHULGESPRÄCHS feststellen durften. Die Anwesenden erlebten einen Schriftsteller, der in fast  zwei Stunden eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass ein guter Autor auch im mündlichen Vortrag zu begeistern versteht. Mit seiner Persönlichkeit, seinem einnehmenden Wesen, seinem direkten Bezug zum Publikum und seiner an Variationen reichen, Anschaulichkeit gewährleistenden Lesestimme erzeugte er eine dichte, von großem Interesse geprägte Vortragsatmosphäre.

 

 

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Die Popularität Willi Fährmanns konnte man schon an dem Umstand erkennen, dass er weit vor Beginn des SCHULGESPRÄCHS von vielen jungen und älteren Fährmann-Fans umlagert wurde; alle waren erpicht darauf, mit ihm ein paar Worte zu wechseln und eine Widmung in die mitgebrachten Fährmann-Bücher zu erhalten. Seine Vitalität und Präsenz ließen zahlreiche Schüler und Schülerinnen staunen, ungläubig nahmen sie zur Kenntnis, dass dieser Herr vorne auf der Bühne, der sie so gekonnt unterhält, in den nächsten Tagen 80 Jahre alt wird. Aus seinem über 40 Werke umfassenden Repertoire – am Rande angemerkt: Willi Fährmann hat bis heute über drei Millionen Bücher verkauft, selbst in China wird er gelesen – trug er Ausschnitte aus „Der Adler wollt hinauf zum Mond – Ein vergnügliches Tier-ABC“ und „So weit die Wolken tragen“ vor. Große Heiterkeit erzeugten die Gedichtminiaturen, die Tierschicksale zum Gegenstand hatten und mühelos Parallelen zur Welt der Zweibeiner zuließen, die pfiffigen Pointen gaben einen guten Einblick in das humoristische Wesen des Erzählers. Ernster wurde es, als Willi Fährmann Zeitgeschichtliches entfaltete; er las Passagen aus „So weit die Wolken tragen“ vor. Man erfuhr viel über die Not und die Überlebensstrategien der Zivilbevölkerung in der Endphase des Zweiten Weltkrieges; beeindruckend waren aber auch die Schilderungen kleiner Glücksmomente, die zarten Bilder zwischenmenschlicher Begegnungen und individueller Hoffnungen. Während des Vortrags und der Lesung Fährmanns wurde es für jeden nachvollziehbar, warum dieser Autor seit Jahrzehnten ein so hohes Ansehen bei Jung und Alt genießt: Er ist kein Zeitgeistautor, der sich nach dem richtet, was momentan angesagt ist; salopp ausgedrückt: Die Quote interessiert ihn nicht; er ist vielmehr ein Erzähler, dem man die Freude am Schreiben abnimmt, der den Leser ernstnimmt, der den Leser an die Hand nimmt und ihn in die Welt der Vergangenheit einführt. Er stellt Nähe her, vermittelt zwischen sich, seiner Welt, seiner Phantasie und unserer Welt, unserer Phantasie, er will erzählen – im besten Sinne des Wortes, er will uns erreichen, Anknüpfungspunkte finden, die Generationen miteinander ins Gespräch bringen: Willi Fährmann - der Brückenbauer! Gegen Ende des SCHULGESPRÄCHS nutzten zahlreiche Anwesende die Gelegenheit, Willi Fährmann Fragen zu seinem schriftstellerischen Selbstverständnis, seinen Ideen, seiner Arbeitsweise zu stellen. Ausführlich ging er auf die Neugier der Schüler ein; betonte im Zusammenhang mit der Frage nach der Grundlage seines Werkes, alles „erlebt, erforscht, erfunden“ zu haben. Der Abend begann mit einer Belagerung und endete mit einer Belagerung: Willi Fährmann wurde nach der Danksagung durch Frau Haupt erneut umringt, geduldig und ohne die geringsten Ermüdungserscheinungen signierte er die ihm zuhauf hingestreckten Bücher, ließ es sich auch nicht nehmen, auf die eine oder andere persönliche Frage noch einzugehen. Ein gelungener Fährmann-Abend!               (Eugen Kainzmaier)